Gewerbeschule präsentiert neues Lacksystem

Pilotprojekt mit der BASF gestartet – Vorstellung auf der AERO-Luftfahrtmesse

Mosbach. Die Gewerbeschule Mosbach ist eine von nur drei Standortschulen der BASF in Deutschland. Das bedeutet, dass sie für sogenannte „Pilotprojekte“, also die Durchführung bisher noch nicht erprobter Verfahren, zur Verfügung steht. Ihre Farbabteilung hat wieder einmal eine knifflige – und verantwortungsvolle – Aufgabe zu bewältigen: Sie hat von der BASF den Auftrag übernommen, die Reparaturlackierung eines Segelflugzeuges aus glasfaserverstärktem Kunststoff vorzunehmen.

Gewerbeschule präsentiert neues LacksystemWas auf den ersten Blick wie Routine aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als anspruchsvolles Forschungs- und Versuchsprojekt. Die Lackhersteller müssen umstellen und in Zeiten verschärfter ökologischer Standards auf lösemittelreduzierte Lacksysteme setzen. Da hierfür jedoch die Erfahrungswerte fehlen, ist eine vorherige praktische Erprobung unerlässlich. So kommt es z.B. entscheidend darauf an, dass das Flugzeug mit der neuen Lackierung nicht an Gewicht zulegt – das hätte nämlich Auswirkungen auf die Flugsicherheit. Und genau hier beginnt die Arbeit der Mosbacher Lackiermeisterschüler. Die Lackierung eines Segelflugzeugs erfordert von ihnen höchste Präzision in puncto Schleifen und Lackieren. Die Schüler lernen, wie die alte Lackschicht abgetragen, „heruntergestrackt“ wird. Jeder Arbeitsschritt wird dabei von einem Prüfer des Luftfahrtbundesamtes abgenommen, bereits kleinste Abweichungen werden moniert. Am Ende der Lackierarbeiten wird dann ein neuer Wägebericht für das Segelflugzeug erstellt.

Wie viel Vertrauen die BASF als Auftraggeber den Mosbacher Meisterschülern entgegenbringt, verdeutlichen einige Zahlen: Für die bundesweite Ausschreibung der BASF konnten sich 400 Segelflugvereine bewerben. 136 Vereine haben sich gemeldet. Unter den strengen Kriterien der BASF wurde schließlich ein Verein ausgewählt. Werner Fuggis, Maler- und Lackierermeister, staatlich geprüfter Gestaltungstechniker Farb- und Lacktechnik, Lehrer und „Pilot“ der Crew, legt großen Wert auf die Feststellung, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt: „Wir nehmen also keinem Lackierbetrieb die Arbeit weg.“ Und von einem positiven Aspekt für die Schüler weiß er auch zu berichten: „Sie profitieren trotz unterschiedlichster Ausbildungsstände enorm voneinander.“ Das war schon bei früheren Pilotprojekten so: etwa bei der Lackierung einer Rennserie der Formel 3000, eines Schleppflugzeuges, eines Duo-Segelfliegers oder alter NSU-Motorräder sowie beim Lackieren der Radhelme für die Paralympics in Peking. Nur einen Auftrag hat Werner Fuggis bisher ablehnen müssen: die Lackierung eines Oldtimer-Maserati im Wert von 1,6 Millionen Euro. Da es für den keine Ersatzteile mehr gab, hätte bereits ein kleiner Schaden unabsehbare finanzielle Folgen haben können.

Im April 2012 wird das Hochleistungssegelflugzeug dann auf der Luftfahrtmesse AERO in Friedrichshafen zusammen mit Flugzeugen aus aller Welt zu bestaunen sein. Auch die Gewerbeschule Mosbach wird sich vorstellen, und zwar am Stand der BASF. Dann wird sich zeigen, ob sich die Mosbacher Schüler ein weiteres Mal bewährt haben.